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Archive for 6. Dezember 2012

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Luise Büchner

So war nun also das Christkindlein da und wurde von Frau Holle und den Engelein mit der größten Zärtlichkeit gepflegt. Waren sie vorher fleißig gewesen, so wurde sie es jetzt noch viel mehr. Den ganzen Tag arbeiten sie für das Kind, das mit erstaunlicher Schnelle heranwuchs, im Frühjahr bereits sprechen und laufen konnte und als der Sommer herum gegangen, schon fast so groß war, wie die Mägdlein drunten im Tal, wenn sie das erste Mal zum Tanz unter die Linde gehen.

Die Engelein fingen Sonnen- und Mondesstrahlen, haschten die Morgennebel und die feinsten Spinnwebe, die zu finden waren.

Daraus fertigten sie Christkindskleider und einen langen, faltigen Schleier, den sie mit glänzenden Tautropfen bestickten. – Je mehr das Christkind heranwuchs, je schöner und lieblicher wurde sein Angesicht, je süßer seine Stimme und je holdseliger sein Lächeln.

Als es aber nun Herbst war, dachte Frau Holle ernstlich daran, das nun die Weihnacht nicht mehr ferne sei und ihr liebes Kind bald hinunter auf die Erde ziehen müsse, aber sie fürchtete sich, es so ganz allein in die kalte, dunkle Winternacht hinaus zu schicken.

Außerdem sollten ja auch nur die guten Kinder belohnt und die bösen bestraft werden – das Christkind war aber viel zu gut, um dies über sein Herz bringen zu können. Es blieb nichts Anderes übrig, man musst ihm einen Gefährten suchen, der es beschützen und auch den bösen Leuten zugleich ein wenig Furcht einjagen konnte. –

Nachdem sich die Frau Holle dies genügsam überlegt, zog sie eines Tages wieder ihr schönes, grünes Kleid an, setzte einen Kranz von Astern auf und bestieg den goldenen Wagen mit den zwei schneeweißen Kühen. Neben ihr saß das Christkindchen in einem rosenroten Gewand, auf welches goldne Sterne gestickt waren, über dem Kopf trug es den feinen, langen Schleier, den eine Goldkrone festhielt. sie fuhren den ganzen Tag herum, die Kreuz und Quere, ohne dass Frau Holle fand, was sie suchte.

 

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