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Archive for 12. Dezember 2011

Winternacht

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Aquarell gemalt von Evelyn Schramm

Winternacht

Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt,
Still und blendend lag der weiße Schnee,
Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt,
Keine Welle schlug im starren See.
Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf,
Bis sein Wipfel in dem Eis gefror;
An den Ästen klomm die Nix‘ herauf,
Schaute durch das grüne Eis empor.
Auf dem dünnen Glase stand ich da,
Das die schwarze Tiefe von mir schied;
Dicht ich unter meinen Füßen sah
Ihre weiße Schönheit Glied um Glied.
Mit ersticktem Jammer tastet‘ sie
An der harten Decke her und hin.
Ich vergess‘ das dunkle Antlitz nie,
Immer, immer liegt es mir im Sinn!

Gottfried Keller, (1819 – 1890), Schweizer Dichter und Romanautor

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Vor hundert Jahren, ja oft noch vor 50 Jahren wurde Weihnachten auf dem Land ganz anders als heute gefeiert. Mit der Flut von Geschenken und dem Übermaß an Glanz und Festlichkeit wie heute, hatte das damals nichts zu tun. Zwar hatten die meisten Handwerker und Bauern ihren Christbaum. Oft hingen das Weihnachtsgebäck, kleine Äpfel und in Silberpapier gewickelte Nüsse am Baum und durften nach und nach von den Kindern geplündert werden. Aber wenn jedes Kind ein Paar neue Handschuhe erhielt, war man vollauf zufrieden.

Das ganze Haus wurde mit Rauch und Weihwasser ausgesegnet. Zur Zeit der Dämmerung ging der Bauer in den Stall und besprengte auch das Vieh, das an diesem Tag besonders reichlich gefüttert worden war, mit Weihwasser. Auch in den ärmsten Familien war das Weihnachtsessen reichlicher und besser als im übrigen Jahr.

Die Hauptfeier aber spielte sich um Mitternacht in der Kirche bei der Christmette ab, zu der die Leute aus kleinen Gemeinden oder Einödhöfen oft stundenlang durch knirschenden Schnee in der Eiseskälte gehen mußten.

Ob aber dieses Weihnachtsfest vor 100 Jahren bei den armen Leuten nicht viel eher dem entsprach, was damals in einem Stall in Bethlehem geschehen ist, als unser heutiges Fest?

Albert Schweizer

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